Technikum

Einleitung:

Zur Verwertung von Abfällen aus dem industriellen Bereich ist immer häufiger die Entwicklung oder Auswahl spezifischer Verwertungs- und Aufbereitungsprozesse erforderlich. Aber auch wenn Beseitigungstechniken oder unspezifische Verwertungsprozesse genutzt werden, erweist sich eine vorherige, der Art und Zusammensetzung der Abfälle angepasste Aufbereitung häufig als vorteilhaft. Ähnliches gilt für komplexe Produkte, Verbrauchsartikel und Bauteile wie Haushaltsgeräte, Tonerkartuschen, Tintenpatronen oder Leiterplatten, deren Beseitigung im Rahmen der öffentlichen Abfallentsorgung zusehends durch spezifischere Verwertungslösungen ersetzt wird. Das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz fordert derartige Bestrebungen durch Setzung eines entsprechenden Zielrahmens.

Angesichts dieser Tatsachen ist im Technikum des BIfA eine multifunktionale Anlage zur Aufbereitung fester Rückstände aufgebaut. Der hier verfügbare Gerätepark ermöglicht vielfältige Kombinationen von Aufbereitungsaggregaten und wird zur Bearbeitung unterschiedlicherster Aufbereitungsproblemen genutzt.

Infrastruktur:

Für Versuche im Technikum des BIfA steht eine Technikumsfläche von 600 m² und eine Freiversuchsfläche von 1000 m² zur Verfügung. Durch die digitale Gebäudeleittechnik kann nicht nur die komplette Prozessabluft gesteuert werden, sondern auch eine vielseitige Medienversorgung und DV-Anbindung.


Außenansicht des Technikums

Anlagen:

Im Technikum steht eine Vielzahl von verschiedenst artigen Aggregaten zur Verfügung, welche je nach Bedarf baukastenartig zusammengestellt werden können. Ein Prozessablauf, der jeweiligen Problemstellung angepasst, ist somit jederzeit möglich. Die Anlage ist in das Prozessleitsystem des Technikums eingebunden. Kontinuierlicher Betrieb ist ebenso möglich wie chargenweiser Betrieb. Im Detail stehen folgende Aggregate zur Verfügung:

Einwellenzerkleinerer:

Der Einwellenzerkleinerer der Firma Erdwich Kaufbeuren arbeitet nach dem Rotorscherenprinzip und dient zur Vor- und Nachzerkleinerung von vielfältigen Wert- und Reststoffen. Die Materialzugabe erfolgt über den Einfülltrichter. Dieser ist mit einer hydraulischen Eindrückvorrichtung ausgestattet mit dessen Hilfe das Material dem Schneidwerk optimal zugeführt wird. Durch die Wahl der Lochung des Lochsiebes kann die Endkorngröße variiert werden.

Schneidmühle:

Für die Mittel- und Feinzerkleinerung von schneidfähigen Materialien wird eine Schneidmühle der Firma Alpine Hosokawa, Augsburg, eingesetzt. Das Mahlgut wird über den Aufgabetrichter dem Mahlraum zugeführt, wo es solange zwischen Rotormessern und Statormesser zerkleinert wird, bis die zerkleinerten Partikel den Mahlraum durch das Sieb verlassen können. Die Endgröße wird ebenso wie beim Einwellenzerkleinerer durch das Austrittssieb maßgeblich festgelegt.

Luftwirbelmühle:

Für den Verbundaufschluss wird eine Luftwirbelmühle der Firma Görgens eingesetzt. Durch die Drehung des Rotors und dem extrem hohen Luftdurchsatz werden in der Luftwirbelmühle Micro-Wirbel erzeugt die zu einer selektiven Zerkleinerung und damit gekoppelten Aufschluss von Verbundmaterialien führt. Eine Variation der Prozesseigenschaften ist unter anderem durch Änderung der Rotordrehzahl, des Luftdurchsatzes und der Form der Mahlbahnen bzw. –platten möglich.



Taumel-Siebmaschine:

Die BIfA GmbH setzt zur Korngrößenklassierung eine Taumelsiebmaschine der Firma Allgaier ein. Durch Überlagerung von horizontaler Kreisschwingung und einer Vertikalbewegung entsteht bei dieser Siebmaschine eine Taumelbewegung, die über die Parameter Drehzahl, Exzentrizität, sowie Radial- und Tangentialneigung eingestellt werden kann. Aus dem Zusammenwirken von Tangential- und Radialneigung entsteht der spiralförmige Bewegungsablauf des Siebgutes auf dem Sieb. Je nach Anteil der beiden Komponenten verändert sich die Verweildauer des Siebgutes auf dem Sieb.

Querstromsichter:

Mit Hilfe eines Querstromsichters kann im allgemeinen eine gute Vorseparation erreicht werden und nachfolgende Geräte dadurch von unnötig hohen Materialströmen entlastet werden. Im Querstromsichter wird das zu trennende Material in einem Bereich mit horizontaler Luftströmung gebracht. Mit Hilfe zahlreicher Klappen kann bei dem Querstromsichter der Firma TrennSo Technik sowohl die Luftströmung als auch die Materialströmung in Ihrem Verlauf verändert werden. Das Material wird in Abhängigkeit von der Partikelgröße und –dichte abgelenkt und so die verschiedenen Materialgruppen getrennt.

Fliessbettseparator:

Ein Fliessbettseparator trennt ein Stoffgemisch auf Basis unterschiedlicher Dichte und Korngröße. Während schwerere Teile aufgrund der Wurfbewegung des Wurfsiebes nach oben gefördert werden, schwimmen leicht Teile durch die Beaufschlagung des Wurfsiebes mit Luft über dem Schwergut auf und trifften zum tiefer gelegenen Leichtgutaustrag ab.

Überbandmagnet:

Ferromagnetische Metalle (z.B. Eisen- und Nickel-Stähle) können mit Hilfe des Überbandmagnetens (z.B. der Firma Steinert) aus einem Schüttgut abgetrennt werden.

Neodym-Magnettrommel:

Die Neodym-Magnettrommel ist mit einem Magneten mit extrem hoher Flussdichte bestückt. Dadurch werden auch schwach ferromagnetische Materialien sowie hochlegierte Stähle, die einer mechanischen Belastung ausgesetzt waren, abgetrennt.

NE-Scheider:

Beim NE-Scheider wird mit Hilfe eines schnell rotierenden Polrades ein magnetisches Wechselfeld erzeugt, welches in leidende Materialien einen Wirbelstrom induziert. Aufgrund des Wirbelstroms wird vom Leier selbst ein Magnetfeld aufgebaut, das dem induzierenden Magnetfeld entgegen steht. Nichtleiter bleiben davon unberührt und werden in Abhängigkeit ihrer Dichte und der Bandgeschwindigkeit entsprechend einer Wurfparabel vom Band geworfen. Leiter erfahren jedoch eine zusätzliche Auslenkung und können so von Nichtleiter getrennt werden.

Korona-Walzenscheider:

Mit Hilfe des Korona-Walzenscheider kann Material mit einer Korngröße zwischen 0,1 und 8 mm aufgrund unterschiedlicher Oberflächenleitfähigkeit getrennt werden. Dazu wird das zu trennende Material mit Hilfe eines Hochspannungsfeldes elektrostatisch aufgeladen. Leitendes Material gibt die Ladung schnell an eine geerdete Walze ab und wird Grund der Zentripedalkraft von dieser abgeworfen. Nicht leitendes Material bleibt an der Walze haften, bis es entladen wird.

Entwässerungssiebmaschine:

Bei einer Entwässerungssiebmaschine werden nasse Schüttgüter von einem Sieb einer Wurfbewegung ausgesetzt. Beim Aufprall der Teile auf das Sieb löst sich das Wasser und fließt durch das Sieb durch.

Förderaggregate:

Zum Transport von Zerkleinerungs- und Aufbereitungsgut stehen im Technikum Vibrationsförderrinnen und eine pneumatische Förderanlage zur Verfügung.

Zusammenfassung:

Das BIfA bietet durch sein Technikum kleinen, mittelständischen aber auch Großunternehmen eine Möglichkeit kostengünstig komplette und variable Prozessketten zu erproben, analysieren und zu bewerten. Von der theoretischen Bearbeitung der gestellten Aufgabe über die Entwicklung und Erprobung von Lösungen bis hin zur großtechnischen Einführung im jeweils richtigen Maßstab wird die gesamte Wertschöpfungskette einer Innovation eingezogen.

Bei Betrachtung der zur Verfügung stehenden Aggregate kann man feststellen, dass die Einsatzmöglichkeiten der Technikumsanlage nahezu uneingeschränkt sind.

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