Meldung | 20.03.2026

Ökobilanzierung als wichtiger Indikator im Projekt „Eco Yarn“

Im Projekt „Eco Yarn“ steht nicht allein die technische Machbarkeit von Recyclinggarn im Mittelpunkt, sondern auch die ökologische Bewertung durch eine systematische Ökobilanzierung.

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© Foto: AdobeStock_Textilrecycling_562145128_L.Mendizabal

Die Idee des Projektes war, aus ausgemusterter Mietwäsche neue Garne herzustellen. In Zusammenarbeit mit dem Recycling Atelier der Technischen Hochschule Augsburg und dem Unternehmen Gebr. Otto Baumwollfeinzwirnerei GmbH + Co. KG, wurde ein geschlossener Materialkreislauf entwickelt. Die ökobilanzielle Betrachtung begleitete alle Prozessschritte und lieferte die Grundlage für fundierte Umweltvergleiche.

Lebenszyklusanalyse als Bewertungsinstrument

Im Rahmen der Ökobilanzierung wurden zentrale Umweltindikatoren wie Energieverbrauch, CO₂-Emissionen, Wasserbedarf und Flächennutzung untersucht. Dabei wurde das Recyclinggarn mit konventionell hergestelltem Baumwollgarn verglichen. Berücksichtigt wurden unter anderem:

  • Sammlung und Sortierung der Alttextilien
  • Mechanisches Recycling der Fasern
  • Spinnen und Weben des neuen Garns
  • Transport- und Verarbeitungsprozesse

Durch die ganzheitliche Lebenszyklusanalyse konnte der ökologische „Fußabdruck“ der Produkte systematisch ermittelt werden.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt ermöglichte eine unabhängige und wissenschaftlich fundierte Durchführung der Ökobilanz. Die bifa Umweltinstitut GmbH bewertete die Daten und stellte sicher, dass die Ergebnisse belastbar und vergleichbar sind.

Die Analyse zeigte, dass das Recyclinggarn trotz des höheren technischen Aufwands ökologische Vorteile bietet. Im Vergleich zu Neuware konnten rund 21 Prozent an CO₂-Emissionen, Wasserverbrauch und landwirtschaftlicher Fläche eingespart werden. Damit wurde der Nutzen des Recyclingkonzepts quantitativ belegt.

Bedeutung für die nachhaltige Produktentwicklung

Die Ökobilanzierung machte deutlich, dass ökologische Verbesserungen nicht automatisch entstehen, sondern gezielt geplant und überprüft werden müssen. Herausforderungen wie erhöhte Staubentwicklung oder geringerer Weißgrad der Garne flossen ebenfalls in die Bewertung ein, da sie Einfluss auf Qualität, Nutzungsdauer und Akzeptanz haben.

Durch diese systematische Betrachtung konnten Optimierungspotenziale identifiziert werden, etwa bei Maschinen, Prozessgeschwindigkeiten oder Materialmischungen. Die Ökobilanz wurde damit zu einem Steuerungsinstrument für die Weiterentwicklung des Projekts.

Fazit

Das Projekt „Eco Yarn“ zeigt exemplarisch, wie Ökobilanzierung zur Grundlage nachhaltiger Innovation in der Textilindustrie werden kann. Sie ermöglicht es, Recyclingkonzepte nicht nur technisch, sondern auch ökologisch zu bewerten und weiterzuentwickeln.

Statt Nachhaltigkeit nur zu kommunizieren, wurde sie im Projekt messbar gemacht. Die Ökobilanzierung verbindet dabei wissenschaftliche Analyse mit industrieller Praxis und trägt dazu bei, textile Wertschöpfungsketten langfristig ressourcenschonender und zukunftsfähiger zu gestalten.

 

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